Das Känguru ist wieder da: Rezension von "Die Känguru-Rebellion" von Marc-Uwe Kling

Jan
Article by Jan, edited by Gina on March 19, 2026

Ding Dong. Es klingelt. Das Känguru und seine Freunde sind wieder da. Und mit ihnen Herta, eine Rebellion und jede Menge Prapsschnalinen. Ich meine Schnapspralinen.

Acht Jahre ist es her, dass Kleinkünstler und mittlerweile Kinderbuchautor Marc-Uwe Kling und sein Känguru uns mit neuen Geschichten versorgt haben. Jetzt ist es wieder so weit und wir dürfen mit "Die Känguru-Rebellion" erneut in die Welt der beiden eintauchen.

Schon auf der ersten Seite bekommt der Leser eine mächtige Portion Nostalgie in Form des Beginns der Chroniken aus Sicht des Kängurus – was im Verlauf der Geschichte immer wieder aufgegriffen wird. So kann der Leser nicht nur die Dynamik zwischen den zwei Hauptprotagonisten, sondern auch die Motive des Kängurus und dessen Rebellion ("Gegen die Zustände") besser verstehen. Zwischen Werbung in Telefongesprächen und Prequels zur 'Origin-Story' des 'Spin-Offs' werden alltagsrelevante Themen und (wirtschafts-)politische Debatten aufgegriffen. Auch wird, vor allem durch die vielen englischen Floskeln im Sprachgebrauch des Kängurus, klar, dass viel Zeit seit den vorherigen Büchern vergangen ist. Zeit, in denen neue Medien Einfluss auf die Protagonisten nehmen konnten und der Sprachgebrauch sich entsprechend verändert hat.

Anders als in den vorherigen Bänden werden die Themen jedoch komplexer, weniger witzig formuliert und direkter angesprochen. Für junge Leser:innen mag das zwar nicht gerade ideal sein, allerdings wird ein Großteil der Menschen, die direkt nach Veröffentlichung nach dem Buch greifen, bereits etwas älter und schon als Kinder bzw. Jugendliche durch die Reihe politisiert worden sein. So müssen die Themen nicht mehr an einen herangeführt werden, sondern betreffen die Leserschaft weitaus direkter und können dadurch beeinflusst und verändert werden. Vor allem fällt auf, dass politische Ereignisse in Deutschland, wie die Wahl im Jahr 2025 und das Einstürzen der Brandmauer im Vorfeld, thematisiert werden. Wieder und wieder werden politische Figuren beim Namen genannt, ihre Versprechen und deren (Nicht-)Einhalten diskutiert und auch Kritik am kontroversen Springer-Verlag darf in einem Känguru-Buch nicht fehlen.

Durch diese Direktheit und einhergehende Ernsthaftigkeit wird eine Wichtigkeit vermittelt, die in den vorherigen Büchern nicht zu finden war. Auch witzige (und genau so wichtige) Kapitel, die sich mit KI-Nutzung beschäftigen, halten Kling nicht davon ab, aktiv zu einem der prägendsten Namen im Buch zurückzukommen: Merz. Über nicht einmal 18 Monate zurückliegende Geschehnisse zu lesen, bewertet durch das Känguru und Kling, fühlt sich ungewohnt und ehrlich gesagt auch etwas falsch an.

Vor allem ein Zitat ist mir in diesem Zusammenhang im Kopf geblieben: „Nu' rebellieren wir, damit Ende Merz der Frühling beginnt“ (S. 130).

Generell fällt auf, dass dieses Buch trotz des humorvollen Umgangs zwischen den Protagonisten ein unangenehmes Gefühl beim Lesenden zurücklässt. Die Seiten treffen die Leser:innen dort, wo es weh tut. Und genau das braucht es. Denn eine Rebellion passiert nicht aus Komfort, was Kling hier kunstvoll demonstriert. "Die Känguru-Rebellion" ist anders und ungewohnt, erweitert die Känguru-Chroniken aber kunstvoll um einen weiteren Band.

Mein persönliches Rating: 4/5 Sterne.

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